The Pixies - Indie Cindy


Indie Cindy“, das erste Album der Pixies seit über 20 Jahren, erscheint (beinahe ) pünktlich zum 20sten Todestag von Nirvana-Sänger Kurt Cobain – schließlich waren es die Pixies, die Cobain nach seiner eigenen Aussage offen zu kopieren suchten, als er seinen Durchbruchs-Hit „Smells Like Teen Spirit“ schrieb.
Den Pixies, einem Quartett aus Boston, blieb der große Durchbruch indes verwehrt. Vielmehr verkörperten sie, als sie Ende der 80er Jahre mit Alben wie „Surfer Rosa“ und „Doolittle“ reüssierten, für den US-Rock-Underground die vorletzte Stufe auf dem Weg vom Punk der 70er Jahre an die Spitze der Charts der frühen 90er. Für die Pixies war das Publikum dann schon recht groß, bestand aber eben noch nicht aus zig Millionen.
Wobei das auch an den Pixies selbst und ihrer Musik lag: Sie waren einfach zu seltsam. Frontmann und Liedschreiber Black Francis, der äußerlich einem übergewichtigen Sparkassen-Angestellten glich, winselte und brüllte Texte über Außerirdische, Verstümmelung und Buñuel-Filme; Joey Santiago dehnte seine Gitarrensaiten kreischend, David Lovering spielte den Surf-Beat und Kim Deal mischte ihrem Bassspiel görenhaft hauchenden Gesang bei. Vor allem aber ließen die Pixies unorthodoxe Harmoniefolgen regelmäßig aus seichtem Geschrummel in wüsten Krach explodieren. Viele, allen voran Nirvana, adaptierten die rohe Leise-Laut-Leise-Dynamik und passten sie in weniger originelle Rockmusik ein.
Auf „Indie Cindy“ nun sind einerseits alle Stilmerkmale versammelt, allerdings münden auch sie inzwischen oft in weniger origineller Rockmusik. Wie viele wegweisende Gruppen, die nach längerer Pause neues Material aufnehmen, scheinen die Pixies in ihren neuen Stücken ihre Imitatoren genauso zu imitieren wie diese einst die Pixies imitierten. So sind Lieder wie „Ring The Bell“ oder „Another Toe In The Ocean“ nichts als generischer Indierock, was gewiss auch damit zu tun hat, dass Kim Deal die Band verließ, bevor die Aufnahmen 2012 mit Doolittle-Produzent Gil Norton begannen.
"Indie City" ist das erste Album der Band nach über 20 Jahren.
Dennoch gibt es auch viele klassische Pixies-Momente. Oft liegt der Unterschied zwischen generischem Indierock und klassischem Pixies-Rock im Detail: In einer unerwarteten Harmoniewendung oder dem Auslassen eines Taktes, wie etwa im Abschlusslied „Jaime Bravo“. An anderer Stelle, dem bereits im vergangenen Jahr als Single erschienenen „Bagboy“ knüpft Black Francis an die surrealen Monologe an, mit denen er schon früher gerne Stücke der Band würzte und in denen er immer eher den wirr geschwätzigen Nachbarn aus der Vorstadt gibt als den Kurt-Cobain-haft leidensgebeutelten Fürsprecher einer verlorenen Generation.
Auch heute haben also die Pixies die Essenz ihres Charmes nicht verloren: Sie waren innerhalb ihrer Generation zu eigenartig, um zu deren Gallionsfiguren zu werden. Wirkliche Außenseiter schaffen es im Pop selten, lukrativ in Millionen von Menschen das Bedürfnis nach ein bisschen unverstandenem Außenseitertum anzusprechen. Für eine Handvoll Freaks haben es die Pixies aber recht weit gebracht! An dieser Tatsache können die paar allzu durchschnittlichen Lieder auf „Indie Cindy“ auch nichts mehr ändern.(Quelle: Berliner Zeitung)

Tracklist:
1. What Goes Boom
2. Greens And Blues
3. Indie Cindy
4. Bagboy
5. Magdalena 318
6. Silver Snail
7. Blue Eyed Hexe
8. Ring The Bell
9. Another Toe In The Ocean
10. Andro Queen
11. Snakes
12. Jaime Bravo

Clip:

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Boxed in - Boxed in

Gov't Mule - The Tel-Star Sessions